PENNYWISE sind sozusagen Punkrock Urgesteine und neben BAD RELIGION und NOFX wichtige Bands aus den Anfangstagen des US-Punkrocks. Zur Teit arbeiten PENNYWISE an dem Nachfolger von „The Fuse“, welches die Band 2003 herausbrachte. Am Rande des Konzertes auf dem Rock am See Festival in Konstanz hatten wir die Gelegenheit mit Fletcher, dem Gitarristen der Band ein Interview zu führen. Here it is:
Ihr habt vor kurzem erst in Australien gespielt. Wie war es da und habt ihr vorher schon dort gespielt?
Ja, wir waren da schon ungefähr zehn Mal und in Australien macht es immer Spaß zu spielen. Das war diesmal ähnlich. Es war großartig, sehr gute Shows und die Fans dort sind auch großartig. Wir haben seit fünf Jahren auch wieder in Neu Seeland gespielt. Das war dort auch eine der besten Shows, die wir seit fünf Jahren gespielt haben. Wir spielten außerdem noch in Japan. Das war ok, wir spielten da zusammen mit KISS. It kind of sucked. They suck ass. Die schlechteste Band, die ich je gesehen hab.
Ich glaube dieses Mal ist es seine gute Abwechslung für euch, auf der einen Seite die Headliner Club Shows und auf der anderen Seite die Gigs mit der Deconstruction Tour zu spielen, oder?
Ja, auf jeden Fall. Die Deconstruction Tour ist sehr cool. Sie hat Festival Charakter, aber ist dennoch schon sehr auf Punkrock ausgerichtet. Dann die Headliner Shows zu spielen ist etwas besser, weil Venues kleiner sind und die ganze Energie der Zuschauer sich auf PENNYWISE fokussiert. Diese Shows kombiniert und dann spielten wir noch die großen Festivals wie Pukkelpop oder Rock am See. Letzteres ist ja auch ein kleiner Ableger der Deconstruction Tour mit den ersten fünf Bands. Es ist eine sehr gute Tour, von jedem etwas.
Ihr spielt sehr viele Konzerte. Probt ihr da vorher überhaupt noch?
Auf dieser Tour haben wir eigentlich überhaupt nicht vorher geprobt. Die erste Show war sozusagen unsere Probe. Die Japan Tour lag außerdem auch erst drei Wochen zurück. Wir spielen die meisten Songs seit 5-10 Jahren und wenn man sie bis dahin nicht drauf hat, dann sollte man wohl eher in den Sack hauen. Man spielt sich vorher im Bus oder der Garderobe warm und dann passt das.
Beim letzten Album habt ihr versucht das Ganze Frisch zu halten in dem ihr z.B. ein paar neue Elemente eingebracht habt. Meinst du, ihr könnt „The Fuse“ noch mal übertreffen?
Ich glaube, es wird unser bestes Album. Ich mein, es ist nicht einfach in einer Band zu sein. Die meisten denken, dass es cool ist und man ein Leben voll Luxus und dem ganzen Scheiß hat. Aber es ist oft ermüdend und langweilig wenn man auf Tour ist. Also muss man sich eine Beschäftigung suchen, um nicht 10 Stunden lang auf irgendeinem Parkplatz im Bus zu hocken. Es ist nicht so glamourös, wie alle denken. Man muss mit seinen Band Kollegen auskommen; man hat viele Höhen und Tiefen. Es gibt Momente, wo man die Band auflösen oder den anderen an die Gurgel gehen will. Man geht da aber zusammen durch, wie man durch eine Beziehung geht und irgendwann haben wir eine gute Einschätzung, wo jeder einzelne im Leben und in der Band steht. Irgendwann, 18 Jahre später, haben dann alle eine gute Zeit zusammen und haben alle Differenzen beiseite geschoben, ich denke, dass uns das zu dem nächsten Album bringt. Ich hoffe, dass wir daraus was Großartiges machen, dass es uns leichter macht besser zueinander zu finden, oder es wird einfach nur totale Scheiße, aber ich hoffe das Beste.
Euer aktuelles Album ist sehr melodisch und beinhaltet eine Menge Hymnen, außerdem ist es weniger aggressiv, als die Alben dafür. War das Absicht oder Zufall?
Ich glaub nicht. Wir schreiben halt einfach nur Songs. Ich denke schon, dass da noch eine Menge Aggression drin steckt. Wir schreiben seit 15 Jahren Songs und irgendwie ändert sich immer was, das ist ganz natürlich. Wir sind jetzt auch nicht mehr Anfang 20, ich denke, dass wir deshalb etwas ruhiger geworden sind. Aggression ist dennoch da, vor allem auch Live, auch die Songs, die ich für das neue Album geschrieben habe sind sehr aggressiv. Wir werden keinen Gang runter schalten, keine Angst.
Ihr verbreitet in euren Songs immer eine Message. Glaubst Du, das ist bei Euch der große Unterschied zu anderen Punkbands?
Es gibt ja zig verschiedene Arten von Punk, zum Beispiel Fun Punk, wie NOFX ihn spielen – sie sind jetzt zwar etwas politischer geworden, aber ein Großteil ihrer Songs waren eher witzig und cool – dann ist da noch politischer Punk wie von ANTI FLAG oder uns, und die straighten Punkrock Bands. Wir sind meiner Meinung nach jetzt nicht so verschieden wie die anderen Bands. Zum Beispiel gibt’s jetzt viele Bands, die denken sie wären Punk, aber eher Emo sind. Die
schreiben Songs, die weitaus softer sind, über ihre Freundinnen, oder Trennungen und so ein Bullshit. Ich glaube der wahre Spirit des Punks ist eine Art Wut, indem es darum geht eine Meinung zu haben und etwas zu sagen, etwa was einen anpisst und nicht. Dass die Freundin mit einem Schluss gemacht hat und dass man deswegen den Kopf in die Toilette steckt – das ist nicht Punkrock.
Mit „Disconnect“ oder „The Competition Song“ habt ihr erneut Songs über aktuelle Themen geschrieben. Glaubst Du, dass, so lang es Probleme in der Welt gibt, PENNYWISE existiert um Songs darüber zu schreiben?
Wir werden niemals eine Band werden, die Fake Lyrics über Themen schreibt, bei denen wir meinen, dass sie niemanden interessieren. Du liest die Zeitungen und denkst dir, „Fuck – was soll das ganze? – warum machen wir so was? Warum macht die Polizei so eine Scheiße? Warum ist die Bildung so scheiße? Wieso ist das Gesundheitssystem am Ende? Wieso, wieso, wieso?” Und dann schreibst Du einen Song darüber. Es geht hier nicht nur um Amerika, sondern es geht um die ganze Welt. Wir versuchen auch eine positive Wendung mit ein zubringen, so dass die Leute mal über das ganze nachdenken und versuchen was zu ändern.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Band im Laufe der Zeit in eurem Leben irgendwann etwas an Bedeutung abnimmt, in den Hintergrund rutscht und ihr euch anderen Dingen widmet. Bist du auf den Tag X vorbereitet, falls ihr euch mal trennt?
Ich habe darüber noch nie nachgedacht. Die Band ist mittlerweile ein so fester Bestandteil meines Lebens, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass wir uns mal auflösen. Hoffentlich spielen wir auch noch, wenn wir 60 sind. Das ist zwar ein abstruser Gedanke, aber ich denke wir werden immer irgendwie in PENNYWISE involviert bleiben. Man hat hier die Freiheit seine Kreativität auszuleben, vielleicht Filme zu machen, oder Kunst, andere Bands produzieren, oder irgendwie so was. Ich werde jedoch definitiv nicht hinter einem Schreibtisch mit einem verdammten Taschenrechner sitzen, das wird niemals passieren.
Demnach ist PENNYWISE also immer noch das wichtigste in deinem Leben
Auf jeden Fall. Natürlich nach meiner Familie und meinen Hunden. Es hatte für mich seit Beginn immer höchste Priorität. Als wir starteten gab es nur wenige, bis gar keine Punkbands und wir haben uns gesagt, dass wir nie Aufgeben werden und das machen, was wir machen wollen und jetzt 18 Jahre später hat sich das bestätigt.
Ich glaube, dass das besondere an PENNYWISE ist, dass es in der Band seit 1988 bisher keine Line-Up Wechsel gab (Jasons Todesfall mal ausgenommen). Aber ich habe gelesen, dass es während des Songwritings schon öfter mal zu Reibereien gekommen ist. Dennoch präsentiert sich die Band auf der Bühne als eine Einheit. Wie kriegt ihr das hin?
Bei uns ist es wie in einer Demokratie. Viele Leute reden über Demokratie, aber wenige praktizieren sie auch. Sie fragen zwar, wen wir als Präsident haben wollen, aber sie fragen nachher nicht, ob wir auch alle damit einverstanden sind, dass sie in den Krieg ziehen. Sie geben im Endeffekt einen Scheiß auf die Meinung des Volkes. Wir bei PENNYWISE versuchen eine wahre Demokratie zu sein und das ist verdammt schwierig. Erst einigen sich alle auf einen Weg und dann will einer doch nicht mehr in die Richtung, aber hey, so läufts nun mal in der Demokratie. Also müssen wir uns wieder irgendwo in der Mitte treffen. Es ist sehr, sehr schwierig, weil jeder hat seine andere Auffassung. Es ist schwierig, aber das ist halt so in einer Band. Wir machen das nicht so wie Fat Mike bei NOFX, wo nur einer die Songs schreibt, das ist es sehr viel einfacher. Bei uns ist das schon etwas komplizierter. Es gibt auch Zeiten wo wir dann auch manchmal ziemlich sauer aufeinander sind, aber wenn wir dann auf die Bühne gehen, machen wir das für die Fans und lassen auch dort unsere Wut raus. Deswegen zerbrechen auch viele Bands.
Ihr habt mal gesagt, dass die Lyrics für euch wichtiger sind, als die Musik. Was nimmt denn mehr Zeit in Anspruch? Die Texte zu schreiben, oder die passende Melodie dazu zu komponieren?
Manchmal schreibt man eine Melodie auf der Gitarre und dann kommen die Texte innerhalb von 5 Minuten. Ich hab zum Beispiel die Musik zum Song „Peaceful Day“ morgens in 20 Minuten geschrieben, der Rest der Band hat ihn dann später gespielt und Jim hatte eine Idee, hat sich kurz auf die Couch gesetzt, hat angefangen zu singen und der Song stand in etwa anderthalb Stunden. Es gibt keine Formel dafür, das kommt ganz natürlich. Manchmal hat man eine gute Idee, wie bei „Fuck Athority“ zum Beispiel. Als ich den Song schrieb, jammte ich, und dann fiel mir der Song „Fuck Authority“ von WASTED YOUTH, einer Band, die ich früher sehr geil fand und, von einer Band die ich damals ebenfalls sehr gut fand, TSOL, der Song „Silent Majority“ ein. Also nahm ich diese beiden Songtitel
„Fuck Authority – Silent Majority“ zusammen, sang ein bisschen vor mich her. 15 Minuten später jammte ich ein wenig mit dem Drummer von 98MUTE, probierte ein wenig herum und weitere 15 Minuten später stand der Song. Er meinte nur „Fuck! – warum können wir nicht so Songs schreiben?“. Manchmal kommt es also ganz natürlich, manchmal muss man sich schon zwingen. Es steckt keine Methode dahinter. Wir jammen ab und zu, jeder spielt seinen Part dazu und es entsteht ein PENNYWISE Song. Wir streiten nachher eher darüber was der Drummer spielen soll „Spiel dieses Becken – Fuck you! – Ich spiel jetzt das“ – und so weiter. Das ist verrückt. Blanker Horror… Aber am Ende hast du dann ein PENNYWISE Album.
Warum wolltet ihr niemals zu einem Major Label gehen. Ihr hattet ja schon öfter mal die Möglichkeit gehabt
Freiheit! Du kannst Dir die Frage selbst beantworten. Major Labels sind scheiße! Sie kümmern sich nicht um Punkrock, sie kümmern sich nicht um mich, sie kümmern sich nicht um die Band. Das einzige, worum sie sich kümmern ist das Geld. Und wenn du kein Geld einbringst, dann bist du für sie gestorben. Sie supporten die Szene nicht, haben sie noch nie getan und werden sie auch nicht. Sie haben nur Geld im Kopf. Wenn sie sehen, dass eine Punkrock Band Geld einbringt, dann wollen sie diese haben und ausbeuten. Das ist Bullshit. Wenn der Erfolg dann ausbleibt, wollen sie nicht mehr mit dir reden und nichts mehr mit dir zu tun haben. Das ist die falsche Einstellung. Bei Punkrock ging es immer darum, etwas anderes zu tun, etwas woran du glaubst, worauf du Lust hast, und nicht irgendwelche Anweisungen von anderen zu befolgen. Glaubst du ein Major Label hätte uns einen Song veröffentlichen lassen, der „Fuck Authority“ heißt? Eine Single oder ein Video davon zu machen und es im Radio zu spielen? – Niemals. Das ist auch der Grund. Wir sind selbstständige Menschen und machen unsere eigenen Regeln. Und unser Label erlaubt uns diese Freiheit zu haben. Also fuck you majors! Gieriger Abschaum, der großen Major Cooperations gehört. Du kannst nicht in einer Punkband und auf einem Major Label sein. Du kannst zwar sagen, dass du eine Punkband wärest, aber du kannst keine sein. Ich rede hier im Besonderen von ANTI FLAG. Du kannst nicht überall sagen „Fuck Bush“, „Fuck America“, „Fuck Cooperate America“ und dann bei einem Major Label unterschreiben. Alles was du deinen Fans vorher versprochen hast, alle die an dich geglaubt haben, alles ist innerhalb einer Sekunde weg. Ich hab Recht, oder? (Redakteur nickt) – Du willst es jetzt nicht auf Tape sagen, oder? Aber er stimmt mir zu, er nickt Ladies and Gentlemen – ANTI FLAG sind keine Punkband mehr, sie sind keine politische Band mehr. Sie sind einfach eine Band, die Geld machen will. Sie wollen mehr Platten verkaufen und sind damit Teil der Maschine. Sie können nicht mehr auf die Bühne gehen und gegen die Cooperate World sein, weil sie selbst Teil davon sind und auch zu hundert Prozent dahinter stehen, indem sie bei einem Major unterschrieben haben. Großartige Band, großartige Message, mieser Zug.
Eine Menge Kids sehen in euch eine Art Vorbild. Wie gehst du damit um?
Wie Eminem sagte: „I’m not your fucking role model“. Nein, ich mag diese Vorstellung, denn ich glaube es ist wichtig, wenn Leute merken, wie mächtig unsere Message ist. Viele Kids kennen eher METALLICA als den Präsidenten, weißt du was ich mein? Das ist jetzt nicht schwer, denn die meisten hassen George Bush. Aber ich glaub, man hat schon Verantwortung dafür, was man sagt. Wenn man jetzt wie bei dem ganzen Rap Shit nur darüber singt wie man mit Frauen schläft oder Bitches schlägt, dann ist das absoluter Bullshit. Viele Kids glauben das Zeug und das ist nicht gut. Das ist ein gefährliches Territorium. Wir sind hingegen auch nicht perfekt. Jeder in der Band hat seine Probleme, und wir geben bestimmt auch kein gutes Vorbild ab. Aber wenn wir jemandem helfen und ihn auf den rechten Weg bringen können, dann ist das sehr gut.
Der Kontakt zu euren Fans scheint euch sehr wichtig. Ihr habt in der Vergangenheit zum Beispiel Fans ins Studio eingeladen, um sie ein paar Background Vocals einsingen zu lassen. Sind momentan weitere solcher Aktionen geplant?
Nein, momentan nicht wirklich. Wir haben zum Release eine kleine Show auf Cathalena Island gespielt. Das ist ungefähr eine Stunde mit dem Boot von der kalifornischen Küste entfernt. Wir spielten da eine Show am Strand vor 2000 Fans. Es war umsonst und sozusagen ein Geschenk von uns an unsere Fans zum Release der neuen Platte. Das hat der Band und dem Label ungefähr 50000 Dollar gekostet. Das war absoluter Wahnsinn, die ganze Show war super. Hey Dave – (wendet sich zu Dave Pollak (Boss von Destiny Tourbooking, der ebenfalls im Raum ist): wir spielten ja diese Show in Cathalena, hast Du die gesehen? (Er nickt) Der Strom fiel aus weil die P.A. überlastet war, wie spielten da gerade „Fuck Authority“, es waren ungefähr 50
Polizisten rundherum und die Fans sangen Wort für Wort, so laut sie konnten, sozusagen a Capella. It was fucking awesome. Wenn du das Video siehst, wirst du mich an der Stelle nur grinsen sehen.
Wir haben momentan nichts geplant, aber ich bin mir sicher, dass wir bald wieder was an den Start bringen. (Dave wirft ein, dass Jim ein neues Buch geschrieben hat). Ja, Jim hat ein neues Buch geschrieben und ich denke, dass ein paar Fans vorbeikommen werden uns es sich signieren lassen. Wir werden sehen…
Heute kam Tim von RISE AGAINST mit auf die Bühne und hat einen Song mit euch gesungen. Wie kam das zustande?
Wir sind alle große Fans von RISE AGAINST, eine der besten Bands momentan, und ich denke sie sind ebenfalls Fans von uns. Wir waren für sie vielleicht auch eine kleine Inspiration in deren Anfängen und wir sind mit ihnen befreundet. Also wenn jemand bei uns abhängt und singen will, wieso nicht? Jim macht eine Pause und wir sehen dann cool aus und klingen gut (grinst). Nein, einfach nur just for fun. Brain von den BOUNCING SOULS spielt auch jeden Abend Bass bei uns und das ist einfach gut für unsere Comunnity und die Punkrock Family.