Dennis Lyxen ist und bleibt eine Koryphäe in der Musikszene. Mit seiner Band REFUSED erlang er zwar erst nach der Auflösung der Band Mitte der 90er Jahre die Anerkennung die ihm und der Band zustand, jedoch ist und war er zusammen mit seinen damaligen Bandkollegen, weit nach dem Split, Einfluss und Wegweisend für viele junge Bands die sich nach dem Ende von REFUSED gegründet haben. Dass sich REFUSED auflösten war wohl nur eine Frage der Zeit, denn Lyxen selbst beschreibt die Zeit in der Band als intensiv und aufreibend. Noch heute gibt es kaum einen Club in Deutschland in dem nicht der Überhit „New Noise“ gespielt wird. Dennis Lyxen gründete nach demAbleben von REFUSED zusammen mit befreundeten Musikern aus seiner Heimatstadt Umeå in Schweden, die Band THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY, die auch schon in den Jahren 1999 und 2000 mit den Alben „The First Conspiracy“ sowie Survival Sickness“ erste Erfolge feierte. Mit „A New Morning, Changing Weather“ und der Singleauskopplung „Capitalism Stole My Virginity“ im Folgejahr, gelang dann auch der endgültige internationale Durchbruch. Die Band setzt sich vor allem vehement gegen Globalisierung, Kapitalismus und Imperialismus ein, was sich auch verstärkt in den Texten des aktuellen Albums „Armed Love“ wiederspiegelt. Die Band plant momentan ein neues Album aufzunehmen – Grund genug Sänger und Songschreiber Dennis Lyxen ein paar Fragen zu stellen:
Das letzte Mal sprach ich mit Lars im November 2004. Was passierte in der Zwischenzeit?
Oh, es passierte eine Menge. Wir machten eine lange Pause, spielten nur ein paar Shows 2005, oder war das 2004? Nein, 2004 kam die Platte raus, ok – ich bin etwas verwirrt. Also, wir tourten eine Menge, wir haben auch in den USA unser Glück versucht. Dort wurde das Release der Platte immer weiter nach hinten geschoben und das Album kam dann dort im Oktober raus.
Wie sieht’s mit neuem Material aus? Schon etwas fertig gestellt?
Wir wollen schon neue Sachen machen, aber dadurch, dass das Release in Amerika erst so spät ist, dachten wir wäre es blöd, wenn das Album gerade erst draußen ist und wir schon wieder neue Songs haben. Aber wir haben schon mittlerweile angefangen ein paar Demos aufzunehmen, um dann auch irgendwann wieder ein neues Album aufzunehmen. Vielleicht passiert das nach dem Sommer.
Wird das wieder eine Scheibe mit einer „raised fist“ Mentalität oder wieder etwas gefühlsbetonter wie „Armed Love“?
Ich denke „Armed Love“ ist auch ein „raised fist“ Album, allerdings mit einer anderen Herangehensweise. Wir haben bei „Armed Love“ versucht nicht zu intellektuell und wortreich zu sein. Wir wollten ein Album aufnehmen, dass zwar politisch ist, aber auch einen Zugang zum Herzen hat. Als wir „A New Morning“ schrieben, konzentrierten wir uns mehr um das Thema Protest, z.B. gegen die Globalisierung und Settlement Movement, das war 2001. Dann passierte 9/11, und da ging ein Ruck durch die Politik. Als die USA in den Irak
eingefallen sind, haben wir angefangen an „Armed Love“ zu arbeiten. Das war eine verrückte Zeit in der Politik und die Platte sollte das ansprechen, aber auf einem direkten Wege, anstatt in langen, gewundenen Manifesten, die wir sonst hatten. Also ich bin der Meinung, dass „Armed Love“ wohl mehr „Raised Fist“ ist, als alle anderen Platten, halt nur auf einem anderen Weg. Aber um auf deine Frage zurück zu kommen: Ich glaube das neue Album wird ein Stück aufgebrachter als das letzte.
Das war es auch was ich mit der Frage ansprechen wollte …
Ja, ok. Aber was ich sagen will ist, dass man alles immer in den zeitlichen Zusammenhang setzen muss in dem etwas entstanden ist, was wir z.B. fühlten, als wir die Songs schrieben etc. Ich denke wenn man sich die heutige Situation in der Welt ansieht, werden wir ein super angepisstes Album machen. Unsere bisherigen Platten waren zwar auch schon immer angry, aber das neue wird sich davon noch abheben, glaube ich. Das könnte interessant werden.
Werdet ihr wieder mit Rick Rubin zusammen arbeiten?
Wir wissen nicht, ob Rick Rubin überhaupt mit uns arbeiten möchte. In einer perfekten Welt würde ich gern mit Rick Rubin zusammen arbeiten. Wir wollen irgendwann nach dem Sommer das Album aufnehmen und Rick ist nicht einer von den Typen die man einfach anruft und sagt „Hey – produzierst du unser Album?“. Ich mein, er ist momentan mit METALLICA im Studio! Es wäre schön, wenn er Zeit hat, wenn nicht, machen wir es mit jemand anders. Beim letzten Mal war es für beiden Seiten neu miteinander zusammenzuarbeiten und jetzt kennt man sich und es wäre anders. Wir wissen welche Parts bei „Armed Love“ großartig waren und welche wir hätten besser machen können.
Ihr bezeichnet euch selbst als politische Band. Welche Message wollt ihr vermitteln? Wen wollt ihr damit erreichen?
Alle! Als wir mit der Band anfingen beschlossen wir uns nicht auf eine bestimmte Szene oder eine bestimmte Gruppe von Leuten limitieren zu lassen. Wenn du über politische Musik sprichst, dann ist es zwar immer an eine bestimmte Gruppe von Leuten gerichtet. In meiner Vorstellung von einer perfekten Welt mag jeder THE WHO und THE ROLLING STONES, also dachten wir, wir gründen eine Rockband, die jeder mögen könnte.
Wir könnten jetzt hier die ganze Nacht über politische Themen reden, aber ich meine unsere hauptsächliche politische Intention ist, dass die Leute sich näher kommen und wir die Lebensumstände dadurch vielleicht etwas leichter machen. Aber wir, THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY, haben immer gesagt, dass wir nicht der Führer einer neuen Revolution sein wollen. ABER: Wir wollen definitiv den Soundtrack dazu machen. Wir wollen dabei sein, wenn es passiert und wir wollen Leute inspirieren. Das ist unser Ziel. Radikale Politik zu machen ist etwas, was bis zu jedem durchdringt.
Ihr habt mal durchklingen lassen, dass eure Fangemeinde in Deutschland größer ist als in eurem Heimatland Schweden. Ist das immer noch so?
Ja. Das letzte Album, „Armed Love“,
war überall in der Welt sehr erfolgreich. Wir spielten großartige Shows in Deutschland und dem Rest von Europa, bis auf England und Schweden. Die beiden Länder mögen uns irgendwie nicht, das steht fest (lacht). Also ja, in Deutschland haben wir mehr Fans, als in Schweden.
Und vielleicht habt ihr sogar mehr Fans in Australien, wo ihr bald „Armed Love“ veröffentlichen werdet
Ja! Wir werden am Montag nach Australien fliegen. Morgen werde ich nach Hause fahren, dort noch eine Show spielen und dann werden wir direkt abstarten.
Schon mal drüben gewesen?
Jap. 2002 waren wir dort und es war toll. Ich bin sehr aufgeregt und freue mich wieder dort zu sein. Wir werden dann auch zum allerersten Mal in Neu Seeland spielen, worauf ich mich auch besonders freue.
Wenn ich Interviews von Euch lese, dann taucht immer der Name DEAD KENNEDYS auf. Ist diese Band für euch DIE Inspirationsquelle überhaupt?
Ich denke die DEAD KENNEDYS sind eine von den Bands, die politischen Punkrock machten … Die Band hat in ihren Texten so über Punkrock gesprochen, dass Politik für mich dann auch Sinn gemacht hat, wenn ich DEAD KENNEDYS Lyriks gelesen habe. Sie waren aber nicht die Band, die mich zum Punkrock brachte, oder weswegen ich anfing Musik zu machen. Aber als ich mir “Give Me Convenience or Give Me Death” kaufte und ich anfing mich mit den Texte auseinander zu setzen, haben mich diese einfach nur umgehauen.
Alles startet irgendwie durch einen Zufall, ich mein, jemand gab mir 10 Platten. Eine davon war von THE EXPLOITED. Die war ziemlich cool, weil es kein Metal war. Und dann kaufte ich mir deswegen ein paar Punkrock Platten, aber als ich meine erste DEAD KENNEDYS Platte kaufte und mir die Scheibe anhörte wusste ich, dass es kein zurück mehr gab. This is it! Also ja, auf jeden Fall waren die DEAD KENNEDYS eine wichtige Band für mich.
Könnte eine Band jemals noch mal so viel Bedeutung für dich erlangen, wie z.b. die DEAD KENNEDYS?
Für mich?
Also mal THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY außen vorgelassen.
(lacht) Ich glaube nicht, dass wir es schaffen für mich so viel Bedeutung zu erlangen, weil die DEAD KENNEDYS bei mir einfach alles verändert haben. Es ist sehr schwierig, denn alles was du jetzt entdeckst, siehst du in einem anderen Blickwinkel, denn dein Leben ist weitergegangen. Es ist unwahrscheinlich, dass es für mich noch mal eine Band, oder ein Album gibt, dass mein komplettes Leben verändern wird, sowie die DEAD KENNEDYS es taten.
Ok, kommen wir zu euren Bühnenoutfits. Ist das eine Frage des Stils, oder steckt da noch mehr dahinter?
Es ist ein politisches Statement der Kollektivität. Es soll zeigen, dass wir keine Rockstars sind, oder dass es bei uns nicht diesen berühmten Gitarren Helden gibt, sondern dass wir alle gleich sind. Als wir mit der Band anfingen, einigten wir uns darauf, dass wir den Leuten zeigen wollen, dass wir an Solidarität glauben, an die Gemeinschaft.
Dass wir eine Band sind, zusammen und nicht nur aus fünf zusammen gewürfelte Individuen bestehen. Es ist offensichtlich wenn du in die Rockgeschichte zurückblickst gibt es viele Dinge, wie z.b. dass Elvis nicht nur durch seine Songs berühmt wurde, sondern auch auf die Art, wie er seinen Kopf schüttelte oder bei THE WHO, Pete Townshends Jacke war teilweise wichtiger als sein Gitarrenspiel. Wir wollten eine revolutionäre Armee sein. Es ist wie Maos Armee gemischt mit den Beatles
Die Stilfrage ist ganz klar da, aber es steckt eine politische Idee dahinter.
Sind eure Songs auch religiös angehaucht, oder habt ihr diesen Aspekt komplett ausgeklammert?
Wir haben Religion vor langer Zeit hinter uns gelassen (lacht). Das einzige ist, dass unsere Songs, gerade die auf „Armed Love“, viel religiöse Symbolik beinhalten. Ich mag religiöse Sprache, aber ich bin ein ziemlich unreligiöser Mensch. Ich bin einer von den gottlosen, über die die Menschen sprechen. Ich mag nur die Sprache und die Symbolik. Es ist faszinierend, dass gut 30% der Welt an Gott glaubt. Für mich ist das Wahnsinn! Religion gehört auf jeden Fall nicht zu meinen Gedanken …